Newsletter November 2021

 


Newsletter November 2021

Ich grüße Sie herzlich!

„Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem.“
So steht es auf einer Postkarte, die ich vor langer Zeit mal gekauft habe. Der Satz kann zynisch klingen, aber er kann auch zutreffen. Er kann helfen, ins Hier und Jetzt zu kommen und helfen, sich für das, was ist, wohlwollend zu interessieren. Dazu passt folgende Erfahrung, die ich vor etwa 30 Jahren gemacht habe und noch sehr gut erinnere.

„Sich vom Wasser tragen lassen“
…. war der Titel des Workshops, an dem ich damals unter der Leitung von Ute Strub teilgenommen habe. Der dreitägige Workshop orientierte sich an der Arbeit von Heinrich Jacoby und Elsa Gindler.
Der Mensch kann auf dem Wasser liegen. Als ich Kind war, nannten wir das „toter Mann“, was bedeutet, sich aufs Wasser zu legen und sich ohne Bewegungen tragen zu lassen. Auf dem Bauch war es leichter,  aber dabei war es nicht möglich zu atmen, weil das Gesicht im Wasser war. Auf dem Rücken war es nicht so leicht.
Diese Tage waren für mich ein sehr intensives Erlebnis. Bekannte gaben mir noch Tage danach die Rückmeldung, ich sähe so entspannt aus, als ob ich frisch aus dem  Urlaub käme.

Am letzten Tag des Workshops stiegen wir in ein Becken mit warmen Wasser, das uns etwa bis zur Brust ging, und jetzt ging es nach der schrittweisen Annäherung ans Wasser in den ersten zwei Tagen darum, uns vom Wasser tragen zu  lassen, also auf dem Wasser zu liegen.
Ich war ehrgeizig und wollte, dass es mir unbedingt gelänge. Wieder und wieder legte ich mich mit den Armen über den Kopf gestreckt rückwärts aufs Wasser. Ein Bein schwebte im Wasser, aber mit dem großen Zeh des anderen Fußes musste ich mich am Beckenboden abstützen. Ohne ging es nicht. Wenn ich den Zeh vom Boden abhob, tauchte ich unter. Ich wurde ungeduldig und war auch schon etwas frustriert.
Doch dann sprach mich eine Beobachterin vom Beckenrand an, dass sie fasziniert beobachtete, wie ich wie Schilfgras in einem großen Bogen lang gestreckt im Wasser lag. Diese Beobachtung änderte auch meinen Blick auf mich.
Nur mit der Spitze meines großen Zehs stützte ich mich minimal am Beckenboden ab und lag in großem Bogen auf dem Wasser. Statisch gesehen großartig! Phänomenal! Ich hörte gerne, dass es so, wie ich im Wasser trieb, schön anzusehen war. So bestaunte ich selbst mein Tun und konnte das Empfinden genießen. Während ich in dem Moment so zufrieden mit mir war, löste sich der große Zehe ohne mein Zutun vom Boden, der Auftrieb des Wasser lies mich schweben. Ich lag auf dem Wasser und konnte mich tragen lassen.

„Ich habe zwar keine Lösung, aber ich bewundere das Problem“ – Hinweise, Vorschläge, Anleitungen, um zum Ergebnis zu kommen, hatte ich einige bekommen. Aber letztendlich hat mir „die Bewunderung des Problems“ geholfen, unzweckmäßiges Forcieren sein zu lassen. Die Vorarbeit hatte uns dafür sensibilisiert.
Bevor wir im großen Becken angekommen sind, hatten wir uns viel mit uns selbst sowie mit der Oberflächenspannung und dem Auftrieb des Wassers beschäftigt. Erst ließen wir unsere Handflächen die Oberfläche des Wassers in einer Schüsse ertasten oder die Hand mit den Fingerspitzen voraus ins Wasser eintauchen. Dann badeten wir darin unser Gesicht und blubberten mit Nase und Mund unter Wasser. Diese Versuche waren von der Fragestellung begleitet, wie offen und bereit ich für Wahrnehmungen bin und wie die kleinen Experimente auf mich wirken, auf meinen Organismus, auf mein Empfinden.
Im nächsten Schritt beobachteten wir Tücher in einer gefüllten Badewanne. Der fließenden Bewegung des Stoffes im Wasser zuzusehen, hatte beruhigende und anregende Wirkung. Ein paar von uns konnten sich ins warme Wasser der Badewanne legen und die Leichtigkeit des eigenen Gewichts durch den Auftrieb bewusst erleben. Wasser trägt uns Menschen, wenn wir uns gelassen überlassen.

Dazu noch ein paar Worte von Heinrich Jacoby:
„Das Nicht-zu-Kenntnis nehmen, dass der menschliche Körper tatsächlich schwimmen kann, wodurch erst Angst vor dem untergehen erzeugt wird, und zugleich die Meinung, Bewegungen machen zu müssen, um das untergehen zu verhindern, verführen zwangsläufig sowohl zu unzweckmäßigem Verhalten wie zu unzweckmäßigen praktischen Maßnahmen.
(…) Das Wasser kann uns tragen. Um das erleben zu können, muss man still und angstlos sein. Sobald man sich angstvoll zusammenzieht und den Atem anhält, kann man das Getragen werden im Süßwasser nicht erleben, weil man dadurch unbewusst physikalisch ungünstigere Voraussetzungen dafür schafft. Das heißt man wird spezifisch schwerer und sinkt deswegen etwas tiefer ein.“

Zitat H. Jacoby: „Jenseits von begabt und unbegabt“ S.318 ‚Christians Verlag‘ 1991

Dienstags im ddif – im am letzten Dienstag im Monat 19.00 – 21.00 Uhr (Außer im Dezember)

Die Themen der nächsten drei Termine sind

  • „Rund ums Essen – Genuss oder Verdruss” – 30. November 2021
  • „Familie und die Arbeiten im Haushalt“ – 25. Januar 2022
  • „Handy – Zeit und Handy-freie-Zeit in der Familie“ – 22. Februar 2022

Dienstags im ddif

Infotreffen

Aus- und Weiterbildung
Trotz Corona-Jahr ist der neue Jahrgang ddif 11 voll geworden und hat im November begonnen. Der nächste Ausbildungsjahrgang wird im Mai 2022 starten. Diese Gruppe ist wieder ein Stadtjahrgang, das bedeutet, dass die Module bis auf die mit den Familien der Teilnehmenden in Berlin in der Remise stattfinden.

Die Weiterbildung „Vom Gehorsam zur Verantwortung“ ist leider in diesem Jahr nicht zustande gekommen. Der neue Start ist für März 2022 geplant. Jetzt wollen wir stark dafür werben.

Das nächstes Infotreffen für die Aus- und Weiterbildung findet am Dienstag, den 7. Dezember 2021 statt.

Infotreffen

Die Bildungsprämie läuft aus.
Erwerbstätige können Prämiengutscheine der Bildungsprämie noch bis Ende 2021 in einer Beratungsstelle erhalten. Ab Ausstellungsdatum haben die ausgegebenen Gutscheine eine Gültigkeitsfrist von sechs Monaten und können damit längstens bis Ende Juni 2022 für eine Weiterbildung eingesetzt werden.
Bei länger andauernden Maßnahmen – wie bspw. unsere Weiterbildung „Vom Gehorsam zur Verantwortung“- muss die geförderte Weiterbildungsmaßnahmen von uns – als Bildungsanbieter- bis spätestens zum 31. Dezember 2022 abgerechnet werden, d.h. das längerfristige Maßnahmen ggf. jetzt schon nicht mehr förderfähig sind.In einigen Bundesländern gibt es ähnliche Unterstützung für Weiterbildungen, z.B. in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Die Voraussetzungen sind jedoch sehr unterschiedlich. Eine Beratung bei einer regionalen Beratungsstelle ist sinnvoll.

Seminare im neuen Jahr
Die Seminare werden entsprechend der jeweils aktuellen Bestimmungen mit den 3G oder 2G oder 2G+ Regeln durchgeführt.

Regeln, Grenzen und Konsequenzen in gleichwürdigen Beziehungen
11. Januar 2022, 09:00 – 16:00 Uhr
mit Christine Ordnung

Im Seminar beleuchten wir einen sinnvollen Umgang mit Regeln und arbeiten daran, wie Erwachsene ihre eigenen Grenzen kennen lernen und vertreten können. Daraus ergeben sich dann in der Regel ganz andere Konsequenzen.

Herausfordernde Kinder
18. Januar 2022, 09:00 – 16:00 Uhr
mit Christine Ordnung

Unangepasstes und störendes Verhalten von Kindern verstehen und angemessen darauf zu reagieren, ist eine der wichtigen Aufgabe für Pädagogen und Pädagoginnen.

Wenn Kinder Jugendliche werden
26. Januar 2022, 09:00 – 16:00 Uhr
mit Christine Ordnung

Die Rolle der Eltern wird eine andere. Die Heranwachsenden gehen mehr und mehr ihre eigenen Wege.
Wie können Eltern und Erwachsene in Kontakt bleiben und die Beziehung gestalten?

Autismus – Spektrum: Begegnung, Grundlagen und Haltung
24. März 2022, 09:00 – 16:00 Uhr
mit Niels Hamel

Mit welcher Bedingung erleben Menschen im Spektrum die Welt? Wie können wir einen gemeinsamen Beziehungsraum öffnen?

Eigenverantwortung statt Abhängigkeit – Suchtprävention von klein auf
26. April 2022, 09:00 – 16:00 Uhr
mit Marianne Troost und Galeide Hess

Kinder brauchen die Fähigkeit „Nein“ zu sagen –auch gegenüber Erwachsenen –und „Ja“ zu sagen zu sich selbst. Dies ist die Basis jeder Suchtprävention.

Seminare am ddif

Noch eine Buchempfehlung:
„Im Grunde gut“  von Rutger Bregman (rowohlt Taschenbuch)
Ich habe das Buch gelesen und noch vor Weihnachten einige Male verschenkt, weil ich meine Begeisterung früher teilen wollte. Rutger Bregman geht der Frage auf den Grund,  ob der Mensch gut oder böse ist. Er durchforscht die gesamte Menschheitsgeschichte und überprüft die Geschichtsschreibung. Was wurde und wird als wahre Gegebenheit übermittelt und war doch anders? Bregman findet Hintergrundmaterial und unveröffentlichte Informationen, die erstaunlich viel ins rechte Licht rücken.
Im Buch wird auch thematisiert, dass Menschen grausam und brutal sein und andere dazu anzuleiten können. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, unter welchen Umständen das geschieht.
Die zahlreichen geschichtlichen und aktuellen Beispiele für das Gute im Menschen, die Bregmann erzählt, stimmen mich zuversichtlich. Wir Menschen bringen von Geburt an die passenden Grundvoraussetzungen mit, wir sollten sie in unseren Kindern nicht zerstören.

Ich wünsche Ihnen schöne Herbsttage.

Liebe Grüße
Christine Ordnung

Anmeldung sowie Fragen rund um Organisation:
Franca Kriesel · Telefon:
030 / 2417 1110 · E-Mail: franca.kriesel@ddif.de