Newsletter April 2020



 


Newsletter April 2020

Ich grüße Sie herzlich!

Wir erleben einen Ausnahmezustand ungeahnten Ausmaßes.
Die Dimension der Auswirkungen, die wohl kaum einer erahnen kann, bei uns und weltweit lasse ich bisher nur punktuell an mich heran.
Die Situation der Geflüchteten an der Grenze zwischen der Türkei und Griechenland, Corona in Ländern wie Venezuela, wo das Gesundheitssystem nicht mehr existiert, die vielen Toten in Italien und Spanien, die Unmöglichkeit einer Ausgangssperre in Indien, Südafrika, in den Favelas Brasiliens und und und … …

Und auch hier – selbst wenn es uns vergleichsweise gut geht –  ist es bedrückend, wenn ich mir vorstelle, auf welch engem Raum viele Familien jetzt in ihren Wohnungen zusammen sein müssen. Menschen, die alleine leben, stehen vor der Herausforderung, sich selbst zu ertragen. Häusliche Gewalt und psychische Leiden nehmen zu.
Trotz aller finanzieller Hilfspakete werden kleine Unternehmen und Selbstständige ihre Existenzgrundlage verlieren.

Im Moment müssen die meisten mit der Tatsache umgehen, dass sie ausgebremst sind und still halten müssen. Einige Berufsgruppen erleben das Gegenteil, sie müssen gerade auf Hochtouren arbeiten, um alles Nötige am Laufen zu halten.  Ich möchte all denen herzlich danken.
Wann auch immer wir den Weg in die Normalität wieder einschlagen können, werden uns die Nachwehen dieser Wochen noch lange beschäftigen.

ddif-Hotline – Reden hilft!
In wenigen Tagen wird diese Hotline akitv sein.
Familientherapeut*innen und Familienberater*nnen, die am ddif eine vierjährige Ausbildung absolviert haben oder sie gerade absolvieren, stehen am Telefon für Gespräche zur Verfügung.
Ich freue mich enorm, dass ein großer Teil derer, die am ddif waren und noch sind, sich unentgeltlich an der „Hotline – Reden hilft!“ beteiligen. Diejenigen, die aus verschiedenen Gründen  nicht dabei sein können, bedauern es. Vielen herzlichen Dank an alle.Das Ausbildungsinstitut ddif habe ich vor 10 Jahren mit der Unterstützung von Jesper Juul gegründet. Es wäre sehr in seinem Sinn gewesen, diese Hotline zu installieren. Krisen und heftige Konflikte überstehen wir besser, wenn wir über das, was wir erleben sprechen können, wenn wir uns mitteilen und gehört werden.
Viele Notsituationen können wir jetzt nicht verhindern, das ist beklemmend. Aber wir können dazu beitragen, dass Betroffene über das, was sie erlebt haben und das, was sie getan haben sprechen und vor allem, dass ihnen wohlwollend zugehört wird. Das ist – wie wir heute wissen – ein erster und wichtiger Schritt zur Verarbeitung von kleinen und massiven Verletzungen.Sobald die Leitung mit über 60 Ansprechpartner*innen steht, verschicke ich über diesen Newsletter die Telefonnummer und einen Flyer. Ich möchte Sie jetzt schon bitten, darüber nachzudenken, wie Sie uns helfen können die Nummer der Hotline weitestmöglich zu verbreiten. Bitte nutzen Sie Ihre Netzwerke, damit das Gesprächsangebot dort ankommt, wo es gebraucht wird. Vielen Dank.

Newsletter und Blog mit konkreten Anregungen für die Familien zu Hause
Das Schulprojekt „Empathie macht Schule“ muss natürlich auch pausieren. In der ersten Märzhälfte konnten die ersten zwei Gruppen aus den drei Experimentschulen am ersten Schulungsmodul mit Helle Jensen teilnehmen. Endlich waren wir nach den Vorbereitungsarbeiten an dem Punkt angekommen, auf den wir uns von Beginn an gefreut haben: die Arbeit mit den Menschen, die in den Schulen mit den Kindern zusammenarbeiten. Die Stimmung in den „Trainingsgruppen“, wie wir sie im Projekt nennen, war sehr gut. Wie wir es uns gewünscht haben und wie ich es auch erwartet habe, haben die Teilnehmer*innen Helles Arbeit und die der Referent*innen gut angenommen. Es ist extrem schade, dass die dritte und vierte Trainingsgruppe nicht mehr in den Genuss kommen konnte. Wir hoffen, bald möglichst weiter machen zu können.Im Moment nutzen die Referent*innen, die mit Helle zusammenarbeiten, die Homepage, den „Empathie macht Schule“ Newsletter und den Blog um viele Familien und Interessierte zu erreichen. Besonders richten sich die Angebote an die Familien, die im Moment zu Hause bleiben müssen. Hier finden Sie verschiedene Anregungen, probieren Sie aus, was für Sie passt.Auch hier die Bitte, leiten Sie die Links in Ihren Netzwerken weiter und probieren Sie die Angebote gern auch selbst.

empathie macht schule – blog
www.empathie-macht-schule.de
empathie macht schule – Newsletteranmeldung

Die Herausforderungen zu Hause
So viel gemeinsame Zeit hatten viele schon lange nicht mehr und das ist gar nicht so einfach auszuhalten. Dazu kommen die Anforderungen an die Eltern, ihren Job im Homeoffice zu managen und der explizite oder zum Teil selbstauferlegte Auftrag, die Kinder zu beschulen neben all dem anderen, was auch wichtig ist, wie einkaufen, kochen, essen, waschen usw.
Rasant hat sich der Begriff Home-Schooling in den Medien breit gemacht, der aus meiner Sicht für viel Druck sorgt. Ich glaube die wenigsten Pädagog*innen erwarten, dass die Eltern die Kinder zu Hause unterrichten.
Die Schulkinder bekommen von ihren Lehrer*innen Aufgaben, die sie bearbeiten können. Für manche ist das zu Hause eine leichte Übung und willkommene Abwechslung. Für andere ist es Stress.Auch die Pädagog*innen stehen zum ersten Mal vor dieser Aufgabe, ihre Klassen aus der Ferne mit Material und Lehrstoff zu versorgen. Es mag teilweise gut gelingen und teilweise ist die Fülle der Unterlagen gut gemeint, aber in den Elternhäusern führt sie zur Überforderung.Der Zwangsaufenthalt in der Wohnung ist alle anstrengend. Verlangen Sie nicht noch mehr Anstrengung von sich und den Kindern.
Sie dürfen sich als Eltern in puncto Schule wirklich zurücklehnen. Nehmen Sie Druck raus. Sorgen Sie für eine möglichst entspannte Stimmung.

Die Jugend
Es ist mir noch ein Anliegen auf die Situation der Jugendlichen hinzuweisen. Ich denke die Ausgangsbeschränkung ist für Jugendliche wirklich ein riesen Brocken. Wird schon zu normalen Zeiten immer wieder an ihre Vernunft appeliert, wird diese Vernunft jetzt garantiert überstrapaziert. Es ist aber der Job von Jugendlichen, unvernünftig zu sein. Die Welt hätte sich nicht weiterentwickelt, wenn nicht unzählige Jugendliche in hohem Maße unvernünftig gewesen wären.
Zudem sind in dieser Altersgruppe die Peergroups wichtig und der Abstand zu den Eltern muss größer und größer werden. Der Austausch mit Gleichaltrigen geht jetzt zum Glück auch über die digitalen Medien, aber das ist nur ein kleiner Ersatz für all die Unternehmungen, die jetzt wegfallen.
Jugendliche müssen jetzt noch mehr als sonst ihren Freiheitsdrang bändigen.
Das ist eine schwere Aufgabe.

„Das Ausbleiben von Pech ist das allerwichtigste im Leben“
Der folgende Link verweist auf die Online-Version der SZ.de vom 27. März 2020, 18:39 Uhr – Epidemiologie.
Dort heißt der Artikel: “Der Virenjäger”:
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/coronavirus-peter-piot-arzt-1.4859156?reduced=true
Dieser Link kann nur gelesen werden, wenn man ein kostenloses Probeabo der SZ.de in Auftrag gibt oder man bereits über ein Abo der Online-Version der SZ verfügt.Da wir die Beschreibung der  Arbeit des Arztes Peter Piot für sehr lesenswert halten, haben wir den Artikel von David Pilling: “Der Wachmann” aus der Wochenendausgabe vom 28./29.03.20 als pdf hier hinterlegt.

“Der Wachmann” (SZ vom 28./29.03.2020)

Die Termine am ddif
Alle Einzelveranstaltungen, die seit Mitte März ausfallen mussten, werden wir neu planen, sobald klar ist, ab wann Ausgangsbeschränkungen und die Abstandsregelungen aufgehoben sein werden oder gelockert werden. Der Beginn der Weiterbildung „Vom Gehorsam zur Verantwortung“ ist vorläufig auf den 8. Mai 2020 verschoben worden. Wir werden hoffentlich zeitnah sagen können, ob wir den Termin aufrecht erhalten können.Den Start des nächsten Jahrgangs für die vierjährige Familientherapieausbildung haben wir auf den 22. August verlegt. In der Gruppe sind noch Plätze frei. Sie können sich jetzt noch bewerben.
Der nächste Infoabend ist voraussichtlich am 5. Mai 2020 in der Remise.

Infoabend

Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Bis bald
Christine Ordnung

Anmeldung sowie Fragen rund um Organisation:
Franca Kriesel · Telefon:
030 / 2417 1110 · E-Mail: franca.kriesel@ddif.de